Der 9. November 1938 – Teilnahme der zehnten Klassen an der Gedenkfeier des Deutsch-Israelischen Freundeskreises Neuwied

Der 9. November ist in der deutschen Geschichte kein Tag wie jeder andere: Zahlreiche historische Ereignisse wie das Scheitern der Märzrevolution 1848, die Novemberrevolution 1918, der Hitler-Ludendorff-Putsch 1923, der Beginn der Novemberpogrome 1938 und der Fall der Berliner Mauer 1989 sind untrennbar mit diesem Tag verbunden. Unter Historikern gilt der 9. November vielfach als Wendepunkt, da danach etwas Neues begann. Dies gilt in besonderer Weise für den 9. November 1938, an dem die Nationalsozialisten in einer geplanten Aktion Synagogen in Brand setzen, jüdische Häuser, Wohnungen und Geschäfte plünderten und zerstörten, Jüdinnen und Juden drangsalierten, verhafteten und ermordeten. Insofern stellt auch der 9. November 1938 einen Wendepunkt dar: Die 1933 begonnene Ausgrenzung und Diskriminierung der in Deutschland lebenden Juden erreichte am 9. November 1938, der so genannten Reichspogromnacht, einen gewalttätigen Tiefpunkt, der schließlich zur so genannten „Endlösung der Judenfrage“, der systematischen Ermordung von etwa 6 Millionen Jüdinnen und Juden, führte.

In einer gemeinsamen Gedenkstunde am Jüdischen Mahnmal in Neuwied erinnerte der Deutsch-Israelische Freundeskreis an den 9. November 1938, der sich 2025 zum 87. Mal jährte: Rolf Wüst, Vorstandsmitglied des Deutsch-Israelischen Freundeskreises, führte in die Gedenkstunde ein, während der Neuwieder Oberbürgermeister Jan Einig die Gedenkrede hielt. Darin betonte er, dass Erinnern nicht nur ein Rückblick sei, sondern zugleich ein Gestalten von Gegenwart und Zukunft, wie es auch Werner Zupp, der verstorbene Pfarrer der Neuwieder Marktkirche, und die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer verstanden hätten. Solche Stimmen seien es, die uns in Deutschland und Neuwied zu Toleranz und Mitmenschlichkeit ohne Ansehen der Herkunft, der Religion oder der Meinung verpflichteten, so Einig.

Das Totengebet sprach Christoph Simonis von der Jüdischen Kultusgemeinde Koblenz. An der Gedenkfeier nahmen weiterhin Schülerinnen und Schüler der IGS Johanna-Loewenherz und alle Schülerinnen und Schüler der 10. Klassen des WHG teil. Die Teilnahme der zehnten Klassen an der Gedenkstunde zum 9. November ist ein fester Bestandteil der Demokratiebildung am WHG.

Foto: Jörg Eckert
Text: Jörg Eckert und Dr. Nadine Kraft