Leistungskurs Geschichte 13 besucht Koblenzer Synagoge

Der Leistungskurs Geschichte wurde Ende Oktober überaus freundlich in den Räumen der Koblenzer Synagoge empfangen. Schülerinnen und Schüler wurden nicht nur mit religiösen Gegenständen vertraut gemacht, sie erhielten auch einen umfassenden Einblick in zentrale Aspekte des jüdischen Glaubens.

Frau Ines Weber erklärte die Bedeutung und Funktion vieler traditioneller Gegenstände, was uns half, die jüdische Glaubenspraxis besser zu verstehen. Sie erläuterte die Bedeutung wichtiger jüdischer Feiertage wie Pessach und Jom Kippur und schilderte, wie diese im Alltag gefeiert werden.

Interessant war auch der historische Rückblick auf die Entwicklung der jüdischen Gemeinde vor Ort, die sowohl von Blütezeiten als auch von schweren Krisen – insbesondere während der Zeit des Nationalsozialismus – geprägt war. Besonders bewegend war der Anblick der Tora-Rollen, die während der Zeit des Nationalsozialismus von einem jahrelangen Freund der Gemeinde, der selbst nicht jüdischen Glaubens war, gerettet wurden – ein Zeugnis von Zivilcourage und Menschlichkeit. Dr. Christoph Simonis zeigte uns den direkt angrenzenden jüdischen Friedhof. Bemerkenswert ist, dass der Koblenzer Friedhof, anders als im Judentum üblich, direkt neben der Synagoge liegt. Wir lernten, dass Gräber im Judentum, anders als im Christentum, nicht entfernt werden.

Ein tieferer Einblick in die religiöse und kulturelle Identität des Judentums regte zum Nachdenken über Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Religionen an. Inwiefern unterscheidet sich das Judentum von anderen Weltreligionen, etwa in Bezug auf Gottesvorstellungen, religiöse Praxis und ethische Grundsätze? Worin liegen z.B. die Unterschiede zwischen Christentum und Judentum?  Die Tora, welche Jüdinnen und Juden als heilige Schrift gilt, wurde im Christentum zwar ins „Alte Testament“ aufgenommen, doch das „Neue Testament“ bricht in vielerlei Hinsicht mit dieser. Außerdem wird Jesus aus jüdischer Sicht nicht als „Messias“ angesehen, da er zentrale jüdische Erwartungen an den Erlöser nicht erfüllt habe. Spannend ist ebenfalls, dass es im Judentum nicht erlaubt ist, Bilder oder Statuen von Heiligen anzubeten. Auch die Vorstellungen vom Leben nach dem Tod unterscheiden sich in mancher Hinsicht von denen anderer Religionen.

Zum Abschluss wurden wir von der Gemeinde zu einem kleinen Imbiss mit klassischem Gebäck und frischem Obst eingeladen. Die Exkursion war nicht nur informativ, sondern auch emotional berührend. Es wurde deutlich, wie wichtig es ist, religiöse Vielfalt zu respektieren und historische Verantwortung zu übernehmen – auch angesichts möglicher Gefahren in unserer Zeit. Die Geschichte der geretteten Tora-Rollen hat uns besonders nachdenklich gestimmt. Der direkte Kontakt mit Frau Weber und Dr. Simonis sowie die authentische Umgebung haben das im Unterricht Gelernte lebendig und greifbar gemacht.

Text: Samuel-Luca Spörl und Ben Luca Zimmermann, redaktionell bearbeitet
Fotos: Benedikt Schmitz