Theaterbesuch „Woyzeck“

Faszinierend, mitreißend und abschreckend zugleich. So lässt sich Georg Büchners gesellschaftskritisches Drama „Woyzeck“ beschreiben.

Der Deutsch-Grundkurs von Frau Grünhäuser  besuchte die Aufführung dieses Stückes im Bischöflichen Cusanus-Gymnasium in Koblenz. Die Schülerinnen und Schüler der dortigen Theater-AG wählten eine moderne Inszenierung  und ließen so den Zuschauer in die Welt Woyzecks eintauchen.

 Als die Lichter gedimmt wurden und sich eine gespannte Stille unter dem Publikum breit machte, klopfte es plötzlich wild von draußen an die Fenster. Dort standen die Darsteller in bunten, zusammengewürfelten Kostümen und wirr bemalten Gesichtern und baten um Einlass. Unter den gespannten Blicken der Zuschauer betraten die Schauspieler den Raum und nach einer weiteren  gespannten Pause begann das Stück. Die Verwirrung und die Stimmen Woyzecks wurden durch mehrere Schauspieler sehr gut zum Ausdruck gebracht. Die Inszenierung  enthielt auch einige unerwartete Definitionen verschiedener Begrifflichkeiten, die mit dem Stück in Verbindung gebracht wurden, wie z.B. die des Fragments. Lustige, gar makabere Szenen kamen auch nicht zu kurz, in denen dann schon mal die Mordwaffe in einer Art Teleshopping- Sendung verkauft wurde, vom herzhaften Lachen des Publikums begleitet. Zugleich verloren die Schüler aber nie den Blick für die ernsten Themen des Stückes, wie z.B. dafür, dass Woyzeck und die ärmere Bevölkerungsschicht nichts für ihr Elend können, sondern, ganz nach Büchners Auffassung, durch ihr Umfeld geprägt werden und aus eigener Kraft dieses auch nicht mehr verlassen können. Die Darsteller brillierten allerdings nicht allein durch ihre Ideen, dieses Stück auf diese Weise zu inszenieren, sondern auch mit ihrer Schauspielkunst und bekamen so, am Ende des Stückes auch verdient, einen gehörigen Applaus vom Publikum.

Alles in Allem war es wirklich eine gelungene und absolut sehenswerte Vorstellung, deren lange Vorbereitungszeit von 1 ½ Jahren sich auch bemerkbar und bezahlt machte. Durch diese Aufführung bekam man zudem nochmals eine komplett neue Sicht auf Büchners Werk, welches durch eine herkömmliche Inszenierung nur halb so interessant und unterhaltsam gewesen wäre.

Lisa Blank