Projekt 2017: Homo Westerwaldiensis

Die Entwicklung des Menschen am Mittelrhein

Im Rahmen der Projektwoche der MSS 12 begaben sich die 30 Schülerinnen und Schüler, sowie drei Lehrkräfte auf die Suche nach den ersten Menschen am Mittelrhein, ihrer Reise nach Neuwied und der fortschreitenden Entwicklung des Homo sapiens.

Herr Dr. Stefan Wenzel (Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz, Kompetenzbereich Vulkanologie, Archäologie, Technikgeschichte, Mayen) konnte als Spezialist für das Paläolithikum, für eine Einführung in die Thematik und die wissenschaftliche Begleitung unseres Projektes gewonnen werden. Er erläuterte uns die Methoden der Archäologie, mit denen er auch selbst Grabungen im Neuwieder Becken durchgeführt hat. Wie kann ich einen Stein von einem Steinartefakt, also von einem bearbeiteten Stein, unterscheiden? Wie datiert man einen Fund? Welche Fossilien sind am Mittelrhein bisher gefunden worden? Waren auch menschliche Knochenteile dabei? Herr Wenzel beantwortete souverän und mit großem Engagement diese Fragen und legte auch dar, wie wichtig die archäologischen Hilfs-wissenschaften, wie z.B. Geologie, Zoologie, Botanik u.a. sind. Dieses Vorwissen half uns, bei den Museumsbesuchen und in den Workshops die Fakten zu verknüpfen und Zusammenhänge auch über größere Zeitspannen bei unter-schiedlichen menschenähnlichen und menschlichen Gattungen herzustellen.

Unsere Reise begann in Koblenz auf der Festung Ehrenbreitstein im Haus der Archäologie: „Geborgene Schätze an Mittelrhein und Mosel“. Hier konnten wir unter anderem das Original des Schädelfragmentes eines frühen Neandertalers, das am Vulkan Wannenköpfe bei Ochtendung gefunden wurde, begutachten. Die Wissenschaftler konnten aufgrund der Morphologie und der Fundlage diesen Altmenschenrest als Schädeldach eines frühen Neandertalers aus der Zeit von etwa 170.000 v. Chr. datieren. Es handelte sich wahrscheinlich um ein männliches Individuum mit einem Lebensalter von 30-45 Jahre.

 

Also ist der Neandertaler unser Vorfahr?

Um genauere Vorstellungen über den Neandertaler zu erlagen, führte unser Weg in das dieser Vormenschengattung den Namen gebende Neandertal in Erkrath (bei Düsseldorf).

An dieser Stelle gilt ein herzlicher Dank dem Förderverein für die finanzielle Unterstützung dieser Busfahrt.

Nach einer Inspektion der Fundstelle des 1856 gefundenen Vormenschen konnten wir im Museum die Evolution des Menschen sehr anschaulich an lebensgroßen Figuren, die auf Grundlage der gefundenen Humanfossilien mit wissenschaftlichen Methoden rekonstruiert wurden, nachvollziehen. Der sich anschließende Workshop forderte uns: wir hatten Schädelfunde zu klassifizieren und der jeweiligen Entwicklungsstufe zuzuordnen.

Unsere Reise in die Vorzeit schlossen wir im Archäologischen Forschungszentrum und Mu-seum für menschliche Verhaltensevolution ab.

Die Führung und der Workshop beleuchtete die Menschheitsgeschichte aus einem ganz anderen Blickwinkel. Die Änderung des Verhaltens und die Zunahme des Verhaltens-repertoires ermöglicht, nach Befriedigung der Grundbedürfnisse, eine Weiterentwicklung des Menschen – unter Mithilfe von z.B. Empathie und Kommunikation- zu dem sozialen Wesen und Mitglied unserer heutigen Gesellschaft.

Wir bedanken uns herzlichst bei Frau Abendroth, Frau Schmitz, Herrn David und Herrn Schwall und Herrn Dr. Wenzel, die diese Reise mit uns unternommen haben.

 

Aber, wer ist denn nun unser Vorfahr?

1968 wurde  in Gönnersdorf ein späteiszeitlicher Siedlungsplatz entdeckt, der auf das Jahr 13500 v. Chr. geschätzt wird. Dieser Siedlungsplatz wurde sicherlich von der Gattung Homo sapiens sapiens, also dem Jetztmenschen, genutzt. Wenn man bedenkt, dass unser Erbmaterial 2-4 % Neandertaler-Gene enthält, gibt es sicherlich nicht nur einen Vorfahr…

 

Kathrin Manderfeld, MSS 12