Neuwied – Lunel, die zweite!

Dienstag, 24.9.13

Als wir uns am Dienstagmorgen am Bahnhof in Neuwied trafen, war die Laune verhalten. Die Aussicht auf  fast 12 Stunden Zugfahrt versetzte niemanden in Euphorie, am allerwenigsten wohl diejenigen, deren Koffergewicht das eigene um ein Vielfaches zu übersteigen schien.
Eigentlich ist die Fahrt dann aber gut und auch schnell verlaufen, sieht man einmal davon ab, dass wir in Brüssel alle eine Haltestelle zu früh ausgestiegen sind (und der Zug wegen des Wiedereinsteigens dann noch einen längeren Halt machen musste als laut Fahrplan vorgesehen), in Lyon in Windeseile  zum nächsten Gleis hetzen mussten und schließlich die letzen Kilometer nach Lunel erst mit einstündiger Verspätung antreten konnten.
So war es dann halb elf, als wir auf dem Bahnhof von Lunel  ein freudiges Wiedersehen mit unseren Austauschschülern und ihren Familien feiern konnten.

Mittwoch, 25.9. 

Einblick ins französische Schulleben. Nachdem wir zunächst zu einem Frühstück in der Kantine eingeladen sind, merken wir bald, dass dies nicht der Alltag in französischen Schulen ist. Heute steht Unterricht auf dem Programm, von morgens bis zum späten Nachmittag, ein kompletter französischer Schultag.

 

Donnerstag, 26.9.

Glücklicherweise konnten sich an diesem Morgen sowohl Franzosen als auch Deutsche ausschlafen, denn das Programm begann erst um 9 Uhr. Gemeinsam ging es per Bus zum Pont du Gard.  Während der Museumseingang in dieser Einkaufsmeile der Souvenirläden erst gesucht werden musste, war die Eisdiele schnell ausfindig gemacht: die doch sehr humanen Preise von 2,50€ pro Kugel waren außerordentlich verlockend. Das unterirdische  Museum, in dem man alles über die Römer und das Wasser lernen konnte, verließen wir nach einem recht zügigen Rundgang wieder, um das originale Aquädukt in Augenschein zu nehmen und seinen Anblick auf diverse Speicherchips zu bannen.
Picknick und quartier libre, welches auf oder unter dem Pont (also im Wasser) verbracht wurde. Abkühlung von der französischen Mittagssonne.

Die Besichtigung des Pont du Gard hatte uns müde gemacht.  Auf die Hitze und die Luft im Bus waren wir, nach dem „Winteranfang“ in Deutschland, nicht mehr eingestellt, doch durch die musikalische Unterstützung der Franzosen blieb die gute Stimmung erhalten. Weiter ging es in eine kleine Stadt namens Uzès. Nach einer Stadtführung durch die Altstadt hatten wir ein wenig Freizeit. Diese nutzten wir, um uns eine Crêpe zu gönnen. Wir wollten uns also nun an die Tische des Lokals in die Sonne setzten, als wir von der „freundlichen“ Bedienung darauf aufmerksam gemacht wurden, dass die Crêpes nur zum Mitnehmen seien und man sich selbstverständlich nicht damit hinsetzen dürfe. Also schlenderten wir weiter durch die Stadt und ließen uns an einem Brunnen nieder, um die Sonne doch noch ein wenig zu genießen. 

Zurück an der Schule, ging es per Schulbus nach Beaulieu, dem Wohnort meiner Gastfamilie. Die Fahrt führt etwa 40 Minuten lang durch Weinanbaugebiete. Eigentlich schön anzusehen, doch während man sich in Deutschland das ganze voller Berge vorstellt ist es in Südfrankreich einfach nur flach. In Deutschland würde man an ein Paar kleineren Orten vorbei fahren, doch in dieser Gegend fährt man durch kleinere Alleen und an Feldern vorbei. Ein bisschen verloren fühlt man sich da schon als einzige Deutsche in einem Bus voller Franzosen.

Zuhause angekommen, war es Zeit für den goûter, den Nachmittags-Snack, der in unserem Fall aus Knabbereien und Panaché (das  ist französisches Bier mit Limonade, schmeckt gut, ist aber noch lange kein Radler) bestand. So gestärkt, fuhren wir per vélo in den Nachbarort St. Christol, wo wir auf die anderen Deutschen mit ihren Austauschschülern trafen. An einem kleinen Spielplatz verbrachten wir den Abend mit Karten spielen aber auch mit Fußball. Der spätere Rückweg war definitiv anstrengender als der Hinweg, was vielleicht auch an der Sonne lag, die um 9 Uhr hinterm Horizont versank. Ich muss sagen, die Sonnenaufgänge, sowie die Sonnenuntergänge waren für mich ein kleines Highlight, noch einmal eine kleine Verlängerung des Sommers.

 

Freitag, 27.9.  BILD 4

Morgens ein weiteres Schulerlebnis.

Am Nachmittag der Besuch von Nîmes, einer noch stark von der römischen Zeit geprägten Stadt.

 

Samstag, 28.9.

 

  • Mein Wochenende in der französischen Gastfamilie war eine besondere Erfahrung. Am Samstagmorgen hieß es wieder früh aufstehen. Ich fuhr mit meinem corres, dessen Schwester und meiner Gastmutter nach Sommières, wo jeden Samstag ein Markt mit regionalen Spezialitäten stattfindet. In den mittelalterlichen Gassen des Dorfes gab es dann auch fast alles, von saucisson aus Stier, Ente, Esel und Wildschwein über fruits und légumes bis hin zu einer großen Auswahl an Gewürzen sowie Reis und Salz aus der Camargue.
    Danach fuhren wir zum Bahnhof, wo wir uns mit zwei weiteren Deutschen und deren Austauschschülern trafen, denn es sollte nach Montpellier gehen, in ein riesiges Shoppingcenter. Nach einer Stärkung bei McDonalds erkundeten wir die zahlreichen Läden und suchten nach schönen Souvenirs für die Familie und Freunde.
    Gegen Abend fuhren wir zurück nach Lunel, wo wir abends Pizza aßen, Wii spielten und uns unterhielten, bis die anderen Deutschen und Franzosen abgeholt wurden.
  • Am Samstag konnte ich die Landschaft der Camargue auf ganz besondere Weise kennenlernen. Zusammen mit meiner Austauschschülerin machte ich um 17 Uhr einen geführten Strandritt, auf den aus der Region stammenden „Camargue-Pferden“.Dieser führte zunächst durch die garrigue, die für diese Region typischen, eher trockenen, weiten Felder, vorbei an Wasserkanälen bis hin zum Strand. Dort ging es scheinbar endlos am Meer entlang. Der kräftige Wind, bzw. die mächtigen Wellen und der wehende Sand machten diesen Abschnitt der Strecke besonders aufregend. Zurück wurden wir durch eine Sandlandschaft geführt, die als Art „Sahara“ beschrieben wurde.
    Unterwegs traf man mehrere Reitergruppen, mit denen man sich gleich gut verstand. Schlussendlich kann ich sagen, dass ich mir nichts Schöneres vorstellen kann, als eine Landschaft auf diese Weise kennenzulernen.
  • Nachdem wir ausgeschlafen hatten sind wir mit meiner Gastfamilie auf den Markt in Sommières gegangen, wo man Kräuter, Käse, Saucissons, Oliven usw. kaufen konnte. Wieder zu Hause gab es dann auch schon  den für Frankreich typischen Aperitiv, auf den das Mittagessen folgte, was sich, wie häufig bei den Franzosen, sehr lange gezogen hat.
    Direkt nach dem Essen hat mich mein Austauschvater zu einer weiteren Freundin von mir gebracht, mit welcher ich dann auf Carmargue-Pferden reiten gegangen bin. Die Reittour war sehr schön, weil sie direkt am Meer entlanglief.
    Wieder zu Hause gab es dann erneut Aperitv und darauf Abendessen. Von der zweistündigen Reittour völlig erschöpft,  bin ich darauf sofort ins Bett gegangen.
  • Nachdem wir am Samstag recht lange ausschafen konnten, machten Alandra und ich uns fertig für Montpellier. Meine Gastmutter fuhr uns zu dem Einkaufscentrum "Odysseum", was mich sehr an einen Freizeitpark erinnerte. Dort trafen wir andere Franzosen und Deutsche des Austauschs. Zuerst gingen wir in kleineren Gruppen durch die Geschäfte und trafen uns anschließend wieder zum gemeinsamen Bowlen und Schlittschuhlaufen. Da die Bowlingbahnen alle besetzt waren, ging ich mit 5 weiteren Deutschen zu Subway, um dort die verbliebende Zeit abzusitzen.
    Um ca. 18:30 Uhr fuhr meine Austauschpartnerin und ich wieder zurück nach St. Cristol und aßen mit der Familie zu Abend.
    Gegen 20:00 Uhr fuhren wir noch zu Jonathan und seinem Franzosen, der eine "Hausparty" organisierte. 
  • Das Wochenende begann für mich mit einer kleinen Führung durch den Garten meiner Gastfamilie. Mir wurde der Feigenbaum gezeigt, von dem mein Gastvater seinen allabendlichen Nachtisch bezog, der Pflaumenbaum, von dem die Marmelade auf dem Frühstückstisch stammte, sowie der Aprikosenbaum, von dem meine Corres uns bei ihrem Besuch in Deutschland ein Glas Marmelade mitgebracht hatte. Zum Abschluss sah ich zum ersten Mal in meinem Leben einen Orangenbaum,dessen Früchte allerdings noch grün waren. Fast ebenso erstaunt war ich über das überdachte Schwimmbad im Garten. Meine corres erklärte mir jedoch, dass man es im Sommer in Südfrankreich ohne die Möglichkeit einer kleinen Erfrischung im kühlen Nass kaum aushalten könne. Während meine corres nun ihre Hausaufgaben in Angriff nahm, wozu auch das Bilden deutscher Sätze mit „Ich denke, dass Streiten wichtig ist, weil...“ gehörte, stöberte ich ein bisschen in der hauseigenen kleinen Bibliothek. Dort gab es unter anderem fast alle Bände der französischen Serien„Tintin et Milou“, in Deutschland besser bekannt unter dem Namen „Tim und Struppi“.
    Am Nachmittag trafen wir uns mit ein paar anderen Deutschen und deren Austauschschülern in einem Einkaufszentrum in Montpellier zum Shoppen. Das dortige Bowlingcenter konnten wir leider nicht aufsuchen, da ohne Reservierung nicht genügend Bahnen für uns frei waren. Der Samstagabend klang aus bei einer „soirée“ im Garten von einem der französischen Austauschschüler.

 

Sonntag, 29.9.

  • Am Sonntagmorgen konnte ich endlich mal ausschlafen. Nach dem üblichen französischen Frühstück (Kaffee aus riesigen Tassen, sogenannten bols, Baguette und verschiedene süße Aufstriche) und dem Mittagessen fuhren wir an den Strand nach La Grande Motte, einem im Sommer von Touristen überlaufenen Ort, von dem sich die Einheimischen eher fern halten. Wir spazierten am Strand entlang, wo sogar einige badeten und sahen uns auch die Strandpromenade an, wo wir in einem von vielen Cafés Crêpe aßen und die Sonne genossen.
    Später trafen wir einige andere Deutschen und deren corres am Strand, sodass wir uns über unsere Erlebnisse austauschen konnten.
    Zurück in Lunel gab es noch Abendessen und nach ein paar Runden Kniffel mit meiner Gastfamilie, war es schon Zeit ins Bett zu gehen.
  • Am Sonntag fiel unser eigentliches Programm sprichwörtlich „ins Wasser“, da es regnete. Geplant war,  zu einem für diese Region traditionellen Festival zu fahren, bei dem Reiter Stiere durch die Straßen eines Dorfes treiben und man sich anschließend in einer Arena mit den Stieren zu messen versucht. Hierbei wird, im Gegensatz zu der spanischen Tradition, kein Stier getötet. Ziel ist es, möglichst unverletzt Bänder oder Glöckchen von den Hörnern des Tieres zu entfernen. Diese Tradition, welche ein starker Publikumsmagnet zu sein scheint, konnten wir auf Grund des Wetters nicht besuchen. So fuhren wir um 18 Uhr in die entgegengesetzte Richtung zum Strand, wo wir noch andere Franzosen sowie Deutsche trafen.
    Jedoch wurden wir auch dort schon nach kurzer Zeit nicht vom Regen verschont, was uns aber nicht davon abhielt, zusammen in einem kleinem Strandcafé zu verweilen, bis wir nach anderthalb  Stunden abgeholt wurden.
  • Am Sonntagvormittag bin ich mit den Großeltern meines corres, die übers Wochenende da waren, im Ort spazieren gegangen. Darauf gab es wieder Aperitiv und Mittagessen. Nachmittags sind wir an den Strand gefahren und haben dort auch einen Spaziergang gemacht, da es zu kalt war um sich an den Strand zu legen.
    Abends gab es dann Aperitiv und Abendessen, worauf ich ins Bett gegangen bin.
  • Sonntags war das Wetter so gut, dass ich mich nach dem Frühstück an den Pool gelegt hatte. Währenddessen organisierte Alandra einen Ausflug zum Strand. Wieder war es meine Gastmutter, die uns fuhr. Der Hinweg war sehr lustig, da wir Marie und ihren Austauschpartner mitnahmen. Wir haben sehr viel und wohl auch sehr schnell auf deutsch geredet, da Alandras Mutter auf einmal fragte, ob wir immer in so einem Tempo sprechen würden.
    Am Strand angekommen, trafen wir Giulia und Annkristin mit ihren Partnern. Zusammen kauften wir uns Eis und legten uns an den Strand. Bis auf François wollte keiner ins kalte Meer schwimmen gehen. Wir blieben lieber liegen und genossen die Sonne.
  • Am Sonntagnachmittag fuhren wir zum Strand. Auf dem Weg vom Parkplatz zum Meer fielen mir direkt die terrassenförmig angelegten Hochhäuser entlang der Strandpromenade auf, deren Form große Ähnlichkeiten mit der von Pyramiden aufwies. Meine Gastfamilie erklärte mir, dass diese Bauart typisch für den Ort sei und man das Ganze als „La Grande-Motte“ bezeichne. Treffpunkt mit den anderen Deutschen und deren Austauschschülern war der „point zéro“, der, wie der Name schon sagt, auf Meereshöhe, also 0 m über NN, liegt und Ausgangspunkt der Stadtgründung war. Obwohl es eigentlich zu kalt zum Schwimmen war, wagten sich ein paar von uns tatsächlich ins Wasser. Der Rest verweilte auf dem Handtuchlager oder brach zu einem kleinen Strandspaziergang auf. So konnten wir trotz des in Deutschland bereits eingezogenen Herbstes einen gefühlten letzten Sommertag genießen. Als gegen Abend jedoch Regenwolken aufzogen, wurden meine corres und ich von ihren Eltern wieder abgeholt. Die Rückfahrt mit dem Auto führte durch die malerische Landschaft Südfrankreichs und im Vorbeifahren erblickte ich sowohl eine Herde Stiere als auch einige Camargue-Pferde. Von unserer Stadtführerin in Nîmes wusste ich bereits, dass die taureaux bei den regionalen Stierkämpfen zum Einsatz kommen. Während solche Veranstaltungen in Deutschland unter das Verbot der Tierquälerei fallen, macht das französische Tierschutzgesetz diesbezüglich für über 60 Städte eine Ausnahme, damit jahrhundertealte Traditionen erhalten bleiben können. Der Tag endete mit einem gemütlichen Abendessen im Kreis meiner Gastfamilie und ich war schon gespannt auf die Erfahrungen, die ich an unseren letzten zwei Tagen in Lunel noch machen sollte.

 

 

Montag, 30.9.

Montagmorgen stand der Ausflug nach Montpellier an.
Am Bahnhof erzählten wir einander zunächst, wie die jeweiligen Wochenenden in den Gastfamilien gelaufen waren. Zwei Schüler kamen zu spät, da sie dachten wir würden uns an der Schule treffen. Als wir dann vollzählig waren kam auch schon der Zug und es ging los.
Die Strecke Lunel – Montpellier wird von vielen Pendlern befahren, deshalb war der Zug sehr voll und die meisten von uns mussten stehen.
Nachdem wir in Monpellier den Bahnhof verließen fielen uns direkt die sehr schönen bunten Straßenbahnen auf. Es gab sehr viele von ihnen mit verschiedenen Motiven.
Die anschließende Führung war etwas schwer zu verfolgen, weil Montpellier eine sehr lebhafte Stadt ist und es zeitweise sehr laut war.
Die schöne Stadt und das super Wetter sorgten jedoch trotzdem für gute Laune.

 

 

Dienstag, 1.10.

Am Dienstag trafen wir uns bei sommerlichen Temperaturen alle vor der Schule und gingen dann zusammen ins Stadtzentrum, um uns dort mit der Stadtführerin zu treffen und mehr über die Geschichte von Lunel zu erfahren. Da die Führung auf französisch war und es um uns herum nicht gerade leise war, war es etwas schwierig zu verstehen. Nach der Stadtführung gingen wir zurück zur Schule, um mit allen anderen Schülern in der Kantine zu essen. Anschließend brachte uns ein Bus nach Aigues-Mortes, eine sehr alte, schöne Stadt, in der wir einige Stunden Zeit und einen umfangreichen Fragebogen zu bearbeiten hatten. Auf diese Weise lernten wir den Ort kennen und kamen mit Einheimischen ins Gespräch.

 

 

Mittwoch, 2.10 

Am frühen und noch dunklen Morgen hieß es heute au revoir sagen, die Woche war tatsächlich schon vorbei. Ein Bus brachte uns nach Avignon, wo um kurz vor neun der TGV aus Marseille mit Fahrtziel Frankfurt in den modernen Bahnhof einfuhr. Mit über 300 km/h flog die französische Landschaft an uns vorbei und wir dem heimatlichen Mittelrhein entgegen. Ankunft in Neuwied um halb acht…