Lunel 2015

Begrüßung und Beziehungen in Südfrankreich

So, wie überall in Frankreich, wussten wir, als wir in Lunel am Bahnhof ankamen, natürlich nicht wie viele bisous dort bei der Ankunft vergeben werden. Schnell stellte sich heraus: es sind trois. Allerdings nur wenn man einer etwas förmlicheren Begrüßung nachgehen möchte z.B. bei den Gasteltern. Im lycée sieht das vor dem Tor und auf den Gängen schon wieder anders aus. Sagt man einem Mädchen „Salut“, gibt man sich ein Küsschen, Jungs hingegen klatschen sich zweimal ab.

Mit diesen Erkenntnissen fühlten wir uns schon mehr in der französischen Gemeinschaft aufgenommen. Später ist uns aufgefallen wie viele Gespräche die Schüler führen. Auf dem Weg durch die Schule bleibt man oft stehen wenn man Freunde trifft um ihnen hallo zu sagen und sich über dies und das auszutauschen. Auch vor den Klassen ist es nie ruhig. Die Schulen in Deutschland unterscheiden sich davon nicht großartig, aber eben doch so viel, dass es uns auffällig geworden ist. Zudem herrscht in den salles de classe eine andere Atmosphäre. Die professeurs sind mehr als Lehrkraft angesehen und es finden gar keine Gespräche zwischen Lehrern und Schülern auf privater Ebene statt, sondern es geht ausschließlich um den Unterrichtsstoff. Dies setzt aber nicht voraus, dass deshalb mehr von dem Stoff übermittelt wird. Mit diesen zwischenmenschlichen Gesprächen in Deutschland lernen sich Schüler und Lehrer besser kennen und daraus entsteht eine Lernmotivation, die sich bei den Français nicht bilden kann.

(Anne)

 

 

Von Madeleines mit Nutella und warum die Franzosen trotzdem schlank bleiben

Ich muss ehrlich sagen, ich war ziemlich überrumpelt als Monsieur Wüstehube uns Mitte der Woche noch einmal daran erinnerte, einen kurzen Text über ein Ereignis oder Phänomen zu verfassen, welches uns während unseres Aufenthaltes in Lunel aufgefallen war, denn wie die meisten von uns hatte ich das auf sonderbare Weise irgendwie verdrängt. Nun war es aber an der Zeit mir tatsächlich ein Thema zu überlegen und das war gar nicht so einfach. Ein Bericht über eine Besichtigung kam nicht in Frage –das macht ja jeder, sprachliche Auffälligkeiten hatte ich auch nicht wirklich registriert (französisch ist halt französisch) und so habe ich mich schlussendlich für etwas entschieden, was mich schon bei all meinen Austauschen stutzig gemacht hat: Das Essverhalten der Franzosen. Es ist nämlich keinesfalls so, dass die tägliche französische Mahlzeit aus Baguette und Käse besteht, vielleicht noch gepaart mit einem verre du vin. Mein und das Frühstück vieler anderer Austauschschüler sah ungefähr so aus: Madeleines (das sind kleine, sehr sehr süße Kuchen), Nutella, Brioche, Nutella, Konfitüre und nochmal Nutella. Eine ähnliche Mahlzeit gibt es dann oft noch, wenn die Schüler nach einem langen Schultag nach Hause kommen. Zusammen mit dem Nachtisch, den es in der Schulkantine gibt kommt der französische Durchschnittsschüler also auf ziemlich viele Zuckereinheiten am Tag. Da würde man doch erwarten, dass man es ihnen auch ansieht, zumal es normalerweise mindestens 5 Mahlzeiten am Tag gibt (Frühstück, 3 Gänge in der Kantine, Nachmittagskaffee, 3 Gänge abends). Aber Pustekuchen: Die meisten Franzosen entsprechen absolut ihrem clichée und sind beneidenswert schlank. Ein wirkliches Phänomen, was bei uns Deutschen erst einmal Erstaunen hervorruft. Aber die bonne figure der Franzosen hat natürlich auch seinen Grund. Zum einen sind es die Mengen, die bei jeder Mahlzeit wesentlich kleiner ausfallen als bei uns. Zum anderen sind es die repas salés (das salzige Essen) bei dem viele Franzosen ihrem Ruf gerecht werden, das Volk mit einer der besten Küchen der Welt zu sein. Kochen wird als eine Art Kunst gesehen und viele Familien achten dabei auch darauf gesund, das heißt mit viel Gemüse und gutem Fleisch bzw. Fisch zu kochen. Hinzu kommt, dass eine Hinwendung zum regionalen Einkaufen erkennbar ist. Meine Gastmutter jedenfalls erklärte mir, dass sie nur noch wenig im supermarché zu kaufen versuche, sondern lieber die heimischen Bauern auf dem Markt unterstütze. Ich hatte also das Vergnügen im Laufe Woche abends immer ein sehr leckeres und leichtes Essen genießen zu können. Dazu gehörte zum Beispiel ein Kartoffel- Gemüse Salat mit Lachs, Seiches (Tunfisch) in einer sosse tomate oder ein omelette au fromage. Das ließ mich dann auch nachvollziehen, dass viele der französischen Mädchen ohne Probleme in Kleidergröße 36 passen dürften. Die Franzosen haben es also geschafft eine ziemlich gute ausgewogene Ernährung in ihrem Alltag zu integrieren. Trotz vieler süßer Mahlzeiten und Supermarktregalen voller Kalorienbomben überwiegt ein gesunder Lebensstil, der vor allem auf der Verwendung von Gemüse und Obst zurückzuführen ist. Sicherlich kann sich da der ein oder andere Deutsche noch eine Scheibe von abschneiden.

(Birte)

 

 

Radio Sommières

"Salut, vous entendez Radio Sommières, 102.9 FM!" So, oder so ähnlich wurde ich am Freitagabend in dem aus dem 13. Jahrhundert stammenden château in Sommières begrüßt. Mein Corres, Alexis, ist gemeinsam mit seinen Schwestern und einigen Freunden ein Teil der etwa 100 Jugendlichen, die aktive Mitgestalter des Programms von "Radio Sommières" sind. Diese Jugendlichen senden in jeder Woche 30 Stunden live aus den alten Gemäuern des château und führen darüber hinaus Interviews bei Festivals und spielen Musik, die bei der französischen Jugend momentan angesagt ist. Kaum war ich in den modern eingerichteten Vorbereitungsraum eingetreten, begrüßte mich Mathieu, der Moderator der Sendung, und fing sofort mit der Planung meines Beitrags zu der heutigen Sendung an. Auch wenn ich anfangs etwas unsicher war eine halbstündige Livesendung mitzugestalten nahm ich die Herausforderung an und legte sofort mit Elise, Alexis Schwester, los und überlegte mir ein geeignetes Thema. Schnell kamen wir auf Deutschland und ich bereitete ein Quiz vor, das ich mit den fünf anderen Jugendlichen in der Sendung spielen wollte. Schneller als gedacht ging es dann schon ins Studio und wir waren en direct. Zuerst berichteten meine Mitstreiter von neuen Musikgruppen, Kinofilmen und Büchern. Doch dann war ihr Wissen über Deutschland gefragt. Dies war überraschend gut. Sie kannte viele deutsche Musikgruppen, die Stadt mit der höchsten Millionärsdichte und den höchsten Kirchturm der Welt. Wir unterhielten uns in der Sendung über alles mögliche und so vergaß ich schnell, dass uns gerade viele Menschen an ihren Radios zuhörten und konnte mich angeregt mit den anderen unterhalten. Auch für mich gab es einige neue Einblicke in die französische Sprache, die auch Thema der Sendung war. So sagt zum Beispiel kaum jemand "J'ai faim" für "Ich habe Hunger", sondern unter Jugendlichen lässt sich viel mehr "J'ai la dalle" hören. Mit diesem neu gewonnen Wissen verabschiedeten wir uns von unseren Zuhörern und fuhren schnell nachhause, da wir alle "la dalle" hatten.

(Johannes)

 

 

Rugby in Frankreich

Etwas, was mich bei unserem achttägigen Aufenthalt in Frankreich sehr überrascht hat, war, dass eine ganze Nation von einer Sportart begeistert sein kann, welche nicht Fußball heißt. Das Thema „Rugby“ war für mich die ganze Fahrt über präsent, da sich die komplette Familie meiner Austauschschülerin mit diesem Sport beschäftigt. Meine Austauschpartnerin spielt nun schon seit 9 Jahren Rugby, ihr Bruder seit 7 Jahren, ihr Vater ist sogar Hobbytrainer und die Mutter ist ebenfalls begeistert von diesem Sport, auch wenn sie ihn nicht betreibt. Ich durfte in Frankreich somit zwei Trainingseinheiten, ein Spiel auf dem Rasen und eine Fernsehübertragung, welche mit 15 anderen Rugbybegeisterten geschaut wurde, miterleben. Dadurch wurde mir deutlich bewusst, dass diese Sportart in Frankreich bzw. in der besuchten Region um einiges beliebter ist als Fußball. Schließlich kann ich sagen, dass meine Gastfamilie es geschafft hat, in dieser kurzen Zeit selbst bei mir Interesse für diese Sportart zu wecken.

(Nicole)

 

 

Salins du Midi

Ein Ausflug auf der diesjährigen Lunelfahrt ging zu den Salins du midi, wo wir eine Führung bekamen. Dabei erfuhren wir, dass hier auf einer Fläche, die circa der Größe Paris entspricht, Salz gewonnen wird. Das Meerwasser wird auf der riesigen Fläche so verteilt, das es überall nur ca. 60 cm hoch steht. Durch die Sonneneinstrahlung und den Wind verdunstet das Wasser, und wird somit immer salziger, was auch zu einer Farbänderung von Blau über Türkis bis Dunkelrot führt. Wenn nur noch Salz übrig bleibt, wird dieses aufgesammelt und zu großen Salzbergen aufgeschüttet, die bis zu 600 Meter lang werden können. Wichtig bei diesen Vorgängen ist der Beruf des Salzbauers. Ein Salzbauer prüft jeden Morgen die Temperatur, den Wasserstand sowie die Windgeschwindigkeit: Je nach den verschiedenen Bedingungen verteilt der Salzbauer das Wasser anders. Das gewonnene Salz wird dann klein gemahlen, gewaschen und weiterverarbeitet. Dabei wird manches Salz zu Speisesalz, manches wird für die Industrie verwendet und anderes wird dafür verwendet, um im Winter unsere Straßen vom Schnee zu befreien. Wegen des günstigen Klimas im Sud de la France leben in dieser Region auch Flamingos und afrikanische Vogelarten.

(Artur)

 

 

Avocadomasken und Skater-Hunde – meine „temps libre“ in Frankreich

Meine Woche in Lunel war auch neben dem feststehenden Programm sehr ereignisreich und spannend. Obwohl meine Corres(pondante) häufig sehr lange (meist bis 16h30) das Lycée besuchte, hatten wir noch Zeit für uns und nutzten diese voll aus. Auch wenn nachmittags die Frage „Tu es aussi fatiguée?“ aufkam, hatten wir noch Energie für Jazz-dance & Co und gingen zweimal zusammen in die Tanzschule. Auch den Skatepark hinter dem Lycée besuchten die Franzosen regelmäßig in ihrer Freizeit. Er war Treffpunkt vieler Jugendlicher, die auch mal ihren Hund neben dem Skateboard laufen ließen. Das Phänomen der „Skater-Hunde“ war jedoch nicht die einzige erstaunliche Erkenntnis – eine weitere war, dass unsere Corres unsere Vorliebe für Gesichtsmasken teilten. Wir rührten uns also Honig-, Eier- und Avocadomasken in Mengen an. Mit diesen „produits naturels“ konnte das Ergebnis nur blendend sein: Une peau souple? Magnifique!

(Lisa)

 

 

Meine Austauschbilanz

Das Wichtigste beim Austausch ist das Sprechen der in der Schule erlernten Sprache: Man spricht über alltägliche Dinge und nicht nur über „langweilige“ Unterrichtsthemen. Des Weiteren hört man das Französische von einem Muttersprachler und kann somit die eigene Aussprache verbessern. Doch man lernt nicht nur die Sprache, sondern auch die Kultur kennen, denn es gibt zwischen Deutschen und Franzosen viele Unterschiede, zum Beispiel das Essen, die Schule, den Sport und vieles mehr. Zuletzt sollte man auch die Region erwähnen, welche im Falle von Lunel sehr schön war. Abschließend bringt einem ein Austausch viele Vorteile und macht viel Spaß. Ich nur jedem empfehlen, wenn möglich an einem Schüleraustausch teilzunehmen.

(Niklas)

 

 

 

 

 

Wochenende

 

Hört ihr Leut’ und lasst euch sagen,
Wochenende muss man haben.
Nach der Woche schwere Last,
muss man halten seine Rast.

Für uns Leute hieß es dann
ab zum Lasergame und wann?
Freitagabend in Montpellier
trafen wir uns als Bouquet.
Es waren zwar nicht alle da,
trotzdem waren wir uns nah.

Auch fürs Rugbyspiel um vier
standen einige Spalier.
Wir haben gefeuert, wir haben geklatscht,
wir haben geschaut und haben getratscht.

Samedi soir chez Maël
hieß es dann für ein paar ganz schnell
Nach der langen Nacht der Feier
schauten einige wie Geier.
Aber Sonntag ist ja frei.
Ach das gönn’ wir uns ja mei.

Jetzt ist die Familie dran
und macht sich an den Corres ran.
Und so sprach das Wochenende
seine eigenen paar Bände.

(Sebastian)