J’aime les livres! J’aime le français !

Unter diesem Motto startete am 8. März der diesjährige Französisch-Tag am WHG. Einen ganzen Vormittag lang hallte die Aula von französischer Sprache wider.

In der ersten Stunde durften die Lerner, die Französisch als erste Fremdsprache gewählt hatten, ihr Können zeigen. Mit einem selbstgeschriebenen Sketsch aus einem Restaurant, das sich unversehens ohne Kellner wiederfindet und aus mehr oder minder geeigneten Kandidaten auswählen muss, faszinierte die 6c das Publikum, während die 5c einen ungewöhnlichen Schulvormittag vorstellte.

Im Anschluss durften die Elftklässler zeigen, was sie schon alles gelernt haben. Eine Gruppe von 10 Schülerinnen und Schülern hat am Prix des Lycéens teilgenommen. Dies ist ein mehrmonatiges Programm, ausgerichtet vom Institut français und dem Klett-Verlag, das unseren Schülerinnen und Schülern ermöglicht wurde durch den Förderverein des WHG. Im Rahmen des Programms haben sie vier bald spannende, bald lustige, bald zum Nachdenken anregende Jugendbücher gelesen – en français, naturellement! – und Mappen dazu erstellt. Nun wurden dem staunenden Publikum die vier Bücher vorgestellt. So viel kann verraten werden:
In „Les Petites reines“ von Clémentine Beauvais (Sarbacane 2015) geht es um drei junge Mädchen, die wegen ihres unvorteilhaften Äußeren belächelt werden, aber sich tatkräftig daran machen, alle Vorurteile auszuräumen und die öffentliche Meinung auf ihre Seite zu bringen!

Ganz anders geht es in „20 pieds sous terre » von Charlotte Erlih (Actes Sud Junior 2014) zu, wo eine introvertierte Schülerin das Geheimnis um den Tod ihres älteren Bruders aufzudecken versucht und dabei nicht nur ihren Bruder, sondern auch sich selbst ganz neu entdeckt.
Das Thema der frühen Mutterschaft wird in „Le frère de Simone » von Eva Kavian (Oskar jeunesse 2015) angesprochen und gezeigt, wie wichtig Freunde und feste Ziele sind: Erkenntnisse, die jeden Leser ansprechen!
Das letzte Buch der diesjährigen Auswahlliste, „La Traversée“ von Jean-Christophe Tixier (Rageot 2015) verlässt den festen Boden Frankreichs und zeigt uns das Leben von Sam, einem 17-jährigen Bootsflüchtling, der auf dem Mittelmeer in einen Sturm gerät. Seine Geschichte regt dazu an, uns mit den Gründen derjenigen auseinanderzusetzen, die in hochseeuntauglichen Schaluppen ihr Leben riskieren für die Hoffnung, Europa zu erreichen.
Eins dieser Werke wurde von der Jury nach einer Debatte zu ihrem persönlichen Favoriten ausgewählt – aber welches, das darf noch nicht verraten werden! Der diesjährige Zyklus des Prix des Lycéens findet seinen krönenden Abschluss auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober; erst dort wird sich zeigen, welcher Roman der Liebling der deutschen Schülerinnen und Schüler war!

Eine jedoch hat bereits an diesem Tag gewonnen: Alle, die im Publikum saßen, durften einen Fragebogen zu den vorgestellten Werken ausfüllen. Unter den besten Ergebnissen wurde dann ausgelost. Den Preis, eins der vorgestellten Werke, hat Carla Flohr gewonnen. Félicitations! … oder, wie die Moderatorinnen sagen würden, amuse-toi bien avec ton livre!

Mit der Verleihung der DELF-Diplome an all diejenigen, die sich mit besonderem Engagement daran gemacht hatten, dieses zusätzliche Zertifikat zu erlangen, das ihre Französischkenntnisse laut einem internationalen Standard feststellt, ging es weiter.

Um den fortgeschrittenen Französisch-Lerngruppen auch über die Schulzeit hinaus Lust auf das Eintauchen in die französischsprachige Welt zu machen, die sie in der Schulzeit bereits durch den Schüleraustausch mit Frankreich kennengelernt haben, berichtete unsere derzeitige Referendarin Frau Jakob von ihren Auslandserfahrungen in Kanada. Die Schülerinnen und Schüler erfuhren dabei einiges über Sprache, Kultur und Geographie der französischsprachigen Provinz Québec sowie über die Möglichkeit, mit einer Permis Vacances-Travail durch das Land zu reisen und zu arbeiten. Beispielhaft wurde die Parterschaft zwischen deutschen und kanadischen Jugendherbergen unter dem Dachverband des Hostelling International vorgestellt, dank derer jungen Menschen ein Praktikum an einer Jugendherberge im jeweils anderen Land vermittelt werden kann. Vielmehr noch als informieren sollte der Beitrag die Schülerinnen und Schüler allerdings motivieren, die Zeit nach dem Abitur und in der Ausbildung oder im Studium für einen erlebnisreichen und gewinnbringenden Auslandsaufenthalt zu motivieren. Pourquoi pas au Canada?

Mit einem frankokanadischen Film fand die „journée“ ihren Abschluss. Auch in diesem Jahr konnten wir es den Schülern ermöglichen, französischsprachiges Kino in Originalversion auf der großen Leinwand zu sehen. Der Spielfilm „Monsieur Lazhar“, in dem ein aus Algerien stammender Flüchtling den Unterricht einer durch den Selbstmord ihrer Lehrerin traumatisierten Klasse übernimmt, griff zahlreiche Aspekte des Vormittags wieder auf: So gelang es dem Film, auf sensible und unterhaltsame Weise aktuelle Themen wie politische Verfolgung und Vorurteile gegenüber Immigranten zu behandeln. Für die Ohren der WHG-Französischlerner ungewohnt war sicherlich der prägnante Akzent der Bevölkerung in der frankophonen Provinz Québec; hier sorgten jedoch Untertitel für Verständlichkeit. Und wer weiß? Vielleicht lassen sich ja einige der Besucher inspirieren und erleben das kanadische Französisch bald original vor Ort!

C. Dietze